Nachdem ich Paul Ankas Lieferung zum gleichen Thema mit großem Vergnügen gehört hatte, schien mir insbesondere angesichts der vorgenommenen Titelauswahl auf Paul Youngs Beitrag zur "Rock Swings" Versuchsreihe hier eine Fortsetzung des gehabten Vergnügens vorprogrammiert.
Leider erwies sich die Fallhöhe dieser Erwartungshaltung als ein wenig zu hoch für das, was dieses Album im Vergleich liefert. "Great band, great arrangements, great production; I thank you all!" schreibt Paul Young im Inlay über seine Co-Musiker, und man kann ihm darin nur beipflichten. Die Umsetzung der nicht zwangsläufig alle aus dem Rock-Genre stammenden Nummern ins swingende Gewand ist mit Sorgfalt und Kreativität unternommen worden, die Bläsersätze sind perfekt, die Arrangements der Big Band souveräne Swing-Performances.
Die Achillesferse der Produktion ist leider Paul Young selbst, dessen Stimme die notwendige Souveränität in der Präsentation der Songs leider vermissen lässt - neben Genre-Koriphäen wie Paul Anka oder Michael Bublé oder auch Klassikern wie Frank Sinatra, Dean Martin oder Bing Crosby verblasst Paul Youngs schmachtende Pop-Stimme zum Stimmchen. Während sich Robbie Williams bei seinem Ausflug ins Swing-Genre mehr als beachtlich geschlagen hat, erleidet Young bei einem Gutteil der Nummern auf dieser Scheibe kläglich Schiffbruch.
Sobald die Big Band die Handbremse löst, verschwindet Young von der akustischen Bildfläche, er wird von den Bläsersätze untergepflügt, er holpert durch seine Textzeilen, schlimmstenfalls klingt es so, als ob er gegen die Band oder diese gegen ihn arbeitet.
Natürlich ist Rock Swings kein Totalausfall, allein aufgrund der professionellen Big-Band-Arrangements nicht, und einige der Nummern funktionieren auch mit Youngs Pop-Stimme gut. Die ersten drei Songs, Soft Cells TAINTED LOVE, Elton Johns BENNIE AND THE JETS und das ebenfalls geglückte ENTER SANDMAN von Metallica, lassen die trügerische Hoffnung keimen, dass trotz der Diskrepanz zwischen Band und Sänger das Album über die gesamte Distanz überzeugen könnte.
Dann jedoch geht es los: Travis' WHY DOES IT ALWAYS RAIN ON ME? ist nicht nur einfach eine uninspirierte Uminstrumentierung des Originals, Paul Young ist der stimmlichen Reichweite Francis Healeys schlicht nicht gewachsen und stochert nach den richtigen Tönen. Das folgende ISN'T IT A PITY von George Harrison tröpfelt so vor sich hin, THE BOYS OF SUMMER weist erneut stimmliche Defizite auf, wenngleich die musikalische Umsetzung zu überzeugen weiß.
Eminems LOSE YOURSELF, eine mutige Wahl, scheitert an der Schwierigkeit, die Fülle an Text in der notwendigen Geschwindigkeit und tonalen Präzision abzuliefern, wobei auch hier die Abteilung Big Band sehr gute Arbeit leistet. Bruce Springsteens HUNGRY HEART schnulzt vor sich hin und ist in sich wieder stimmig, das Selbstcover I'D BETTER GET MY COAT swingt lebendig, wenngleich man auch hier gelegentlich das Gefühl hat, dass Paul Young das Tempo Schwierigkeiten bei der Betonung bereitet.
Der Versuch, Elvis' IN THE GHETTO zu verwandeln, schlägt grandios fehl, da sich Young einerseits einer eigentümlich-sperrigen Betonung bedient und er natürlich stimmlich überhaupt nicht gegen den King anstinken kann, wenngleich der Band-Ansatz erneut das Potential der beabsichtigten Umsetzung anklingen lässt. Das Cover von David Bowies THE JEAN GENIE ist der in meinen Augen größte Schlag ins Wasser, ein Durcheinander, in dem man nicht weiß, wer jetzt eigentlich nicht weiß, was er tut, die Band oder der Sänger. Das finale WALK ON THE WILD SIDE von Lou Reed, das offenbar den Untertitel des Albums "On the Wild Side of Swing" gestiftet hat, hebt abschließend noch einmal das Niveau - aber auch hier weiß man nicht, ob Young seine Stimme nicht besser einsetzen kann oder will.
Das als Bonus enthaltene WHITE CHRISTMAS ist gefällig, aber sicherlich nicht in den Top 100 der Covers dieses zu den meistgecoverten Songs der Welt zählenden Weihnachtsliedes zu finden, dafür ist es letztlich doch zu einfallslos. Ende des Schnelldurchlaufs.
Wer Paul Young schätzt, mag seiner ROCK SWINGS-Variante durchaus etwas mehr als die von mir vergebenen 3 Sterne abgewinnen können, aber mehr als mittelprächtig kann ich diese Platte nicht nennen. Sie ist kein Totalausfall, aber sie krankt an ihrem musikalischen Protagonisten, der für das hier gesetzte Musikgenre "Swing" einfach nicht die Stimme mitbringt. Es fehlt die Souveränität, der Schmiss, die Prägnanz, die man eben benötigt, um zu swingen.
Tipp am Rande: Wem wie mir Paul Ankas Umsetzung der Rocksongs gefallen hat und mehr davon haben will, sollte vielleicht besser einen Bogen um das Album dieses Pauls machen und sich stattdessen mit Ankas Classic Songs, My Way wieder die vermissten Glücksgefühle zurückholen. Das könnte funktionieren.